Informationen bzgl. der Aktivitäten im Erdbebengebiet unseres Vereins

Der Vorstand des Vereins zur Förderung der zeitgemäßen Lebensweise Kreis Münsterland

Informationen bzgl. der Erdbebenhilfe unseres Vereins

Anlässlich des Erdbebens in der Westtürkei hatten wir am 18.8.1999 einen Spendenaufruf veröffentlicht. Die Resonanz hierauf war sehr gut und ging über das Münsterland hinaus. Unsere Mitglieder und viele andere freiwillige haben aktiv in ihren Städten und Gemeinden Gelder gesammelt und sich um den Weitertransport von Sachgütern gekümmert. So wurden in der ersten Woche Impfstoffe gegen Diptherie, Tetanus und Hib-Meningitis (für 2.000 Impfungen) und über 100 kg Medikamente über den Malteser Hilfsdienst direkt in die Krisengebiete geflogen.

Die Geldspenden waren so zahlreich, (zuletzt waren auf unser Spendenkonto über 70.OOO.- DM eingegangen) daß wir nach Rücksprache mit der Vereinszentrale in Istanbul in der zweiten Woche in großer Anzahl folgende Güter einkaufen und weiterleiten konnten:

Leichensäcke , Handschuhe, Masken, Mülltüten (sowohl zum Verteilen, als auch zur Verwendung bei Müllsammelaktionen), Akku- und Batterielampen und Batterien für Elektrogeräte.

Für den Transport dieser Hilfsgüter wurden PKW und LKW angemietet und andere zur Verfügung gestellte Fahrzeuge mit Kraftstoff versorgt. Hilfspersonal vor Ort wurde entlohnt.

Für eine Zeltstadt wurden in unserem Namen zwei große Zelte gekauft und aufgebaut. Desweiteren wurden von uns mehrere kleine Familienzelte, Tische, Stühle und Ventilatoren zur Verfügung gestelt. Für all diese Aktivitäten gaben wir allein in dieser ersten Woche über 20.000,- DM aus.

Unser Verein arbeitet derzeit mit der Organisation in Istanbul in enger Kooperation in folgenden Projekten mit:

Betreuung von Frauen und Kindern in Rehabilitationszentren

In Gölcük, Yalova(zwei), Degirmendere(zwei), Adapazari, Yarimca und Izmit wurden insgesamt acht Rehabilitationszentren gegründet. Hier sind viele ehrenamtliche Helfer aus der Region und der gesamten Türkei tätig. Darunter sind sehr viele Lehrer. Bis reguläre Schulen eröffnet werden, unterrichten sie die Kinder in diesen Zentren. Es soll den Kindern helfen Abstand zu kriegen von der um sie herum herrschenden Unordnung. Es soll den Eltern, v.a. den Müttern helfen, sich zu den Unterrichtszeiten um andere Dinge des Überlebens zu kümmern, wie Aufräumarbeiten, materielle Eigenversorgung und bürokratische Angelegenheiten.

In einem Zeltlager für 3.000 Menschen in Gölcük wurde ein Rehabilitationszentrum als Zeitschule für 500 Kinder geplant. Bei der Eröffnung waren 900 Kinder gekommen. In der Stadt Yarimca waren 500 Kinder zur Eröffnung des Rehabilitationszentrums gekommen. Für all diese Kinder stehen aber nur drei Psychologen, 14 Lehrer, 11 ehrenamtliche Helferinnen, ein Arzt und eine Krankenschwester zur Verfügung. Dieses Team wurde von vier israelischen Psychologen unterstützt, die über die wichtigsten Störungen und psychotherapeutische Vorgehensweisen informierten. Denn bei sehr vielen Kindern sind Anpassungsstörungen zu beobachten, die sich als psychosomatische Beschwerden äußern (Einnässen, Einkoten, Stottern, Alpträume, verstärkte Ängste, Trauerreaktionen um Familienmitglieder und Verwandte).

Unser Vorstandsmitglied Herr Dr. med. C. Örge war am 04.09.99 direkt vor Ort und wurde durch Frau Professor Saylan, der Vorsitzenden des Vereins in der Türkei, in die Krisengebiete geführt. Sie konnten sich hier ein konkretes Bild davon machen, wie die Spendengelder eingesetzt werden. Trotz der sehr großen Erschwernisse bemühen sich alle Helfer, ihr Bestmögliches zu leisten . Es ist beeindruckend, wie viele Menschen, Lehrer, Pädagogen, Hausfrauen, Krankenschwestern ehrenamtlich mithelfen. Viele leben selbst in den Zeltstädten, andere werden in einem Rhythmus von 2-3 Tagen abgelöst, um in ihre Heimatorte zurückzukehren.

Sehr rührend ist die große Freude und Dankbarkeit der Kinder für die Hilfsaktionen. Sie werden sehr herzlich angenommen. Viele freiwillige Helfer berichten, daß Sie schon morgens um 6:30 Uhr von den Kindern in Ihren Zelten geweckt werden und aufgefordert werden das Tagesprogramm zu beginnen.

Neben den Kindern gilt die Sorge der Helfer auch den Witwen und jetzt alleinerziehenden Frauen. In Schulungen werden sie auf eine eigene Berufstätigkeit vorbereitet, um später sich und die Kinder selbst versorgen zu können. Zur Unterstützung dieses Projektes wurde Kontakt zu Textilfirmen aufgenommen. Handarbeiten sollen über diese Firmen verkauft und das Geld an die Erdbebenopfer weitergeleitet werden.

Die Zahl der Rehabilitationszentren soll bald auf 10 erhöht werden. Die Zentren selbst sollen nicht in Zelten, sondern in Containern oder Schnellbauhäusern Platz finden. Vormittags sollen hier Vorschulkinder betreut werden, nachmittags Schulungen von Frauen und Hausaufgabenhilfen für Schülerinnen und Schüler stattfinden. Daneben geht es auch um die psychologische Betreuung der Kinder und ihrer Eltern.

Da es sich um ein längerfristiges Projekt handelt, muss an die Einarbeitung und Vergütung der Mitarbeiter gedacht werden. Dadurch wird einigen wenigen Erdbebenopfern ein neues berufliches Auskommen ermöglicht werden. Allerdings bedarf dieses Personal der Anleitung und Qualifizierung. Krisenkomitees, die sich aus Krankenschwestern, Psychologen, Pädagogen, Allgemeinmedizinern, Technikern und Fahrern zusammensetzen, wären zu gründen. Dabei bemüht sich der türkische Verein, dieses Personal von Regierungsbehörden zu bekommen. Natürlich wäre die Arbeit der Zentren nicht zu bewältigen ohne das Engagement vieler ehrenamtlicher Helfer.

Bau einer Containerstadt

Seit dem aktiven Einsatz des Militärs ist die Primärversorgung in der Katastrophenregion inzwischen ohne gravierende Probleme gewährleistet. Eine provisorische Strom- und Wasserversorgung existiert, Schwierigkeiten in der Abwasserversorgung sind weitestgehend gelöst. Immer wieder entstehen jedoch in Teilbereichen Versorgungsengpässe. Hier koordiniert der türkische Verein die Spendenorganisation und -weiterleitung. Wenn z.B. in einem Stadtviertel das Trinkwasser ausgeht, werden gezielt Firmen angesprochen zwecks Sachspenden, das so beschaffte Trinkwasser in Container verpackt und vor Ort gebracht. Dabei unterstützt die Firma Mercedes Benz diese Hilfsaktionen dadurch, dass sie den Transport der Sachgüter übernimmt.

Neben diesen Sofortmassnahmen, bedarf es jedoch längerfristiger Lösungen. In Vorbereitung auf den Winter muss die Unterbringung der Bevölkerung neu gestaltet werden. Die türkische Regierung will deswegen mit Fertighäusern das Wohnproblem schnell lösen. Ob wie versprochen diese Häuser schon in 3-4 Monaten bezugsfertig sein dürften, ist nicht sicher, eher weniger wahrscheinlich.

Der türkische Vereinsvorstand hat deswegen entschieden, in der Region mit den schlimmsten Katastrophenfolgen (Degirmendere)eine Containerstadt für ca. 50 Familien zu errichten. Hierzu sollen auch ein Kulturzentrum, eine Bücherei und ein Kindergarten gehören.

Beide Projekte, sowohl der Ausbau der Rehabilitationszentren, als auch die Errichtung einer Containerstadt, bedürfen einer umfassenden finanziellen Unterstützung. Beide Projekte sollen spätestens bis zum 30 September 1999 anlaufen.

Genauere Finanzierungskonzepte werden nun vorbereitet. Unser Verein möchte den türkischen Verein direkt und projektgebunden unterstützen. Es sind vorab ca. 1.200.000,- DM Projektkosten für das erste Jahr veranschlagt.

Als Verein werden wir weitere gemeinnützige Vereinigungen in Deutschland ansprechen, diese beiden Projekte finanziell zu unterstützen.

Dülmen, 12.09.1999

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